Klappentext der DDR-Ausgabe

Cover "Der Wolfsziegel", DDR-Ausgabe von 1977
Cover "Der Wolfsziegel", DDR-Ausgabe von 1977

Es ist kalt, seit Langem sehr kalt, es ist Februar und alles tief verschneit im weltabgeschiedenen Gebirgsdorf. Wölfe haben sich seit 40 Jahren nicht mehr aus den einsamen Bergen und Felsschluchten heruntergewagt, aber jetzt können sie sich dort vor Hunger nicht mehr halten, und jetzt heult der Wolfsziegel im Dorf. Ravenelle hat ihn gehört, der Knochenflicker, wie ihn die Leute nennen, und seine Mutter auch, die alte Thibaude, bewandert im Fertigen heilender Salbe gegen den Wolfsbiss und kundig der Mittel, wolfsscheue Pferde zu beruhigen und einen schützenden „Zauberkreis“ um ihr Gehöft zu ziehen…

Nur diese beiden wissen, dass nun die Wölfe kommen. Alle müssen es schnell erfahren. Lähmende Angst, aber auch Zweifel herrschen im Dorf, Spott und Überheblichkeit in der verstädterten Präfektur – man lebt ja schließlich im 20. Jahrhundert! Ravenelle aber organisiert den Widerstand der Bauern. Keiner geht mehr ohne Gewehr aus dem Haus. Tirette, fast ein Junge noch, gerade mit seinem kleinen Kläffer unterwegs, um seine Drosselfallen zu leeren, erlegt den ersten Wolf.

Und sehr bald schon entwickeln sich in dem einst so stillen französischen Dorf dramatische Kämpfe zwischen Wölfen und Menschen – Menschen, von denen nun jede Tünche abfällt, keiner anders sich erweisen kann, als er eben ist: der arme Bauer und der begüterte, der Gastwirt, der Lehrer und der Pfarrer und auch der arrogante Foyard, der Abgesandte der Präfektur. Sie alle müssen sich den Schreckensnächten stellen, müssen zusammenrücken, denn das Gebot der Stunde ist das Gebot des Überlebens…

Die Wölfe haben sich in ihre Jagdgründe zurückgezogen, lauer Frühlingsregen bringt die Schneemassen zum Tauen, frisches Grün überzieht die Felder. Hoffnung wächst wieder in den Herzen der Menschen, die das in schweren Stunden Gewonnene einbringen werden in eine neue Dorfgemeinschaft. Und Tirette, der junge Held des Tages? Er kann getrost wieder nach seiner Marysa sehn.